Die Frage, die mich im
Hinblick auf Kunstgeschichte schon immer fasziniert hat, war: Was ist Kunst
eigentlich? Ein wichtiges Schlüsselerlebnis, das diese Thematik für mich lebendig
werden ließ, war der Moment, in dem ich mit 12 Jahren zwei Kunstbildbände
zu Weihnachten geschenkt bekam. Beim begeisterten Anblick der Zeichnungen
von Franz Marc und der Bilder von Mykene und Kreta spürte ich den Wunsch,
noch mehr über diese neue Welt, die sich da vor meinen Augen auftat, zu erfahren.
In meinem Studium der Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte tauchte
ich tief in die Materie ein und setzte mich intensiv mit dem kreativen Ausdruck
vergangener Epochen, unterschiedlicher Kulturen und deren Lebensanschauungen
auseinander. Diente die Kunst beispielsweise bis ins Mittelalter eher als
Ausdruck der Religion in Form von Tempeln, Kirchen, Ritualgegenständen, Statuen
und dergleichen – so bekam sie ab dem 15. Jh. als ‚freie’ Kunst einen weltlicheren
Charakter.